Ehrlich gesagt
Du wirst gebraucht !
Wie fängt man etwas an, das man noch nie zuvor getan hat?
Wahrscheinlich genauso. Ohne großen Plan, ohne Erwartungen und vor allem ohne den Anspruch, es perfekt machen zu müssen.
Es gibt Themen, über die ich weder in einem Podcast sprechen noch ein Video drehen kann. Nicht, weil mir die Worte fehlen, sondern weil sie mir manchmal einfach zu nahegehen. Weil manche Gedanken vielleicht gar nicht laut ausgesprochen werden wollen, sondern erst einmal aufgeschrieben. Und vielleicht auch weil ich einfach fucking Angst habe, diese Dinge auszusprechen, weil sie dann zu real sind?..
Naja, so sitze ich jetzt hier und schreibe meinen ersten Blogpost. Ohne Strategie, ohne roten Faden und ausnahmsweise auch ohne das Gefühl, dass das, was ich teile, irgendeinen bestimmten Zweck erfüllen muss.
Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb es sich gerade so richtig anfühlt, ich habe keinen Druck, ich kann nichts flasch machen und ich verkaufe nichts.
Ich habe keine Ahnung, ob mir das Bloggen überhaupt taugt. Aber ich spüre diesen unglaublichen Energiefluss, diese innere Neugier, einfach mal etwas Neues auszuprobieren. Und wer weiß schon, wohin uns die Dinge führen, die wir ganz spontan beginnen?
Vielleicht muss auch nicht immer alles irgendwohin führen.
Manchmal darf man einfach anfangen. Mal schauen, was wird. 🙂
Heute möchte ich die vergangenen Monate Revue passieren lassen. Monate, die einiges in mir bewegt, verändert und vielleicht auch ein bisschen auf den Kopf gestellt haben.
Und vor allem möchte ich einem Thema Raum geben, das mich schon länger begleitet, über das ich bisher aber kaum gesprochen habe.
Nun ja … wo fange ich an?
Dieses Jahr war das schrecklichste und das schönste, das ich je hatte.
Ich bin mit riesigen Erwartungen ins Jahr des „Feuerpferds“ gestartet. Mit zu vielen Zielen und mit einem ziemlich genauen Bild davon, wie alles laufen würde.
Wie wahrscheinlich die meisten von uns. Jedes Jahr dasselbe: Neujahrsvorsätze, Visionboards und von allen Seiten Rituale, die wir unbedingt machen müssen, um gut ins neue Jahr zu starten. Zwölf Trauben unter dem Tisch. Wunschzettel, die verbrannt werden. Bei uns zu Hause (eine russische Tradition) gab es immer ein ganz besonderes Ritual: drei Wünsche aufschreiben, verbrennen und die Asche mit dem Sekt (alkoholfrei, versteht sich) um Mitternacht austrinken.
Und weißt du was? Meine Wünsche haben sich erfüllt. Alle drei.
Nur hatte das Leben andere Pläne.
Denn ein Wunsch entsteht in einem bestimmten Moment, in einer bestimmten Version von dir, in einer bestimmten Frequenz. Wenn du dich weiterentwickelst, verändert sich diese Frequenz. Deine Werte verschieben sich. Und plötzlich hältst du etwas in den Händen oder stehst vor etwas, das du dir so sehr gewünscht hast und es fühlt sich nicht mehr so an, wie du es dir vorgestellt hast.
Genau das ist mir passiert.
Vor ein paar Tagen habe ich auf Social Media einen Beitrag gesehen, wie sich 2026 anfühlt:
Als hätte dich das Pferd abgeworfen. Aber du bist nicht ganz runtergefallen. Ein Fuß hängt noch im Steigbügel fest und das Pferd galoppiert weiter, quer über die Felder, du hängst kopfüber daneben und wirst mitgeschleift.
Ich musste lachen. Und dann kurz schlucken.
Denn genau so war mein Jahr.
Ja, es ging schnell. Und ja, ich bin am Ziel angekommen. Aber zu welchem Preis? Mit Schrammen, mit Staub im Gesicht und mit einer ziemlich angeknacksten Psyche.
Dieses Jahr war das schrecklichste und das schönste, das ich je hatte.
Ich wollte es reiten, dieses Feuerpferd. Ich wollte die Zügel in der Hand haben.
Im Frühling bin ich in meine absolute Traumwohnung gezogen. Hohe Decken, viel Raum, Licht, alles, was ich mir je gewünscht hatte. Ich weiß noch, wie ich die ersten Abende auf dem Boden saß, mich umgeschaut habe und dachte: Hab ich das wirklich selbst geschafft? Das ist so verdammt cool.
Nach ein paar Wochen saß ich immer noch darin und dachte: Und jetzt?
Das Gefühl, auf das ich gewartet hatte, kam nicht. Die Wohnung war wunderschön. Aber sie konnte nichts füllen, was innen leer war.
Also habe ich es woanders gesucht. Beim Dating, bei neuen Menschen und neuen Emotionen. Ich bin schon eine Weile single und eigentlich ganz happy damit aber meine Psyche ist eben Rollercoaster gewöhnt, Abwechslung, Neues und irgendwie hatte ich auch wieder Lust, mein Glück mit jemandem zu teilen. Ich bin jung, ich muss das doch nutzen, oder? Vielleicht brauche ich einfach jemanden, der mich wieder etwas fühlen lässt.
Wieder Enttäuschung.
Nicht, weil die Typen komisch waren. Sondern weil ich von ihnen etwas erwartet habe, das niemand anderes mir geben kann. Egal, wie schön das Außen ist: Das Glück, das ich gesucht habe, lag nie dort. Also alle Kontakte wieder abgebrochen und mich zurückgezogen.
Mitten im Sommer kam dann eine Demotivation, die ich so noch nie kannte. Ich wollte nicht mehr selbstständig sein. Ich wollte nicht mal mehr in den Urlaub fliegen. Alles, was mich früher begeistert hat, fühlte sich grau an.
Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen, was ich mir in dreieinhalb Jahren aufgebaut habe.
„Ich geh einfach wieder normal arbeiten. In diesem System schafft man es eh nicht.“
Diesen Satz habe ich mir wochenlang erzählt.
Und ich wusste eigentlich genau, was da in meinem Hirn passiert. Wenn wir das Glück immer wieder im Außen suchen, gewöhnt sich unser Belohnungssystem daran. Das Gehirn reagiert schwächer auf die kleinen, schönen Dinge und braucht immer stärkere Reize, um überhaupt noch etwas zu fühlen. Und genau in dieser Leere melden sich alte Muster zurück. Die, von denen wir dachten, wir hätten sie längst hinter uns gelassen.
Bei mir war es das Essen…
Ich dachte wirklich, ich hätte meine Essstörung besiegt. Aber sie war nie weg. Sie war nur maskiert. Versteckt hinter veganer Ernährung, hinter Keto, hinter vegetarisch, hinter Fastenkuren. Gefühlt habe ich jeden Monat etwas Neues ausprobiert, immer auf der Suche nach der perfekten Ernährung. Ich habe mir immer weniger erlaubt. Und trotzdem stimmte etwas nicht.
Dazu kamen Geldsorgen. Mentale Instabilität.
Ich war an meinem Tiefpunkt.
Und auf Social Media? Da hat man davon nichts gesehen. Ich habe es wunderschön verborgen. Keiner hat es mir angemerkt.
Vielleicht ist das schon das Erste, was du aus diesem Text mitnehmen kannst: Hinter den schönsten Bildern stecken manchmal die schwersten Tage. Vergleich dein Inneres nicht mit dem Außen anderer.
Die Dämonen in deinem Kopf
Irgendwann habe ich mich selbst gehört und gedacht: Moment. Was denkst du da gerade?
Ich hatte vergessen, auf mein Inneres zu hören. Ich hatte meinen Gedanken zu viel Macht gegeben.
Diese Dämonen sitzen nicht irgendwo da draußen. Wir erschaffen sie in unserem Kopf. Es sind unsere Gedanken.
Naja. Wir denken, es sind unsere.
Vielleicht fragst du dich, warum ich das Wort „Dämonen“ benutze. Mit Esoterik habe ich längst abgeschlossen. Ich nenne sie so, weil ich sie spüre. Als etwas, das physisch im Raum ist.
Ich weiß, wie das klingt. Lass mich dir erzählen, wie es sich anfühlt…
Es ist kurz vor Morgengrauen. Mein Bewusstsein wacht auf. Mein Körper nicht.
Ich liege da und kann mich nicht bewegen. Keinen Finger. Ich will die Augen öffnen, aber sie bleiben zu. Und dann spüre ich es: Etwas drückt mir ein Kissen aufs Gesicht. Schwer. Ruhig. Als hätte es alle Zeit der Welt.
In meinem Kopf frage ich: Wer ist das?
Und eine Stimme, die nicht aus meinem Kopf kommt, sondern direkt neben mir, antwortet:
„Ich bin’s wieder. Nur in einer anderen Version.“
Ich wusste sofort, wer das war.
Meine Sucht. Die Essstörung, die ich besiegt glaubte. Sie war nie weg. Sie hatte sich nur umgezogen. Neue Verkleidung, gleiches Gesicht.
Neurobiologisch ist das, was ich da erlebt habe, erklärbar: Bei einer sog. Schlafparalyse wacht das Bewusstsein auf, während der Körper noch in der Lähmung des Traumschlafs steckt. Das Gehirn spürt die Bewegungslosigkeit, sucht verzweifelt nach einer Erklärung und erschafft eine. Ein Gewicht auf der Brust. Eine Präsenz im Raum. Eine Stimme.
Und genau das ist das Erschreckende daran. Dein Gehirn baut aus dem, was dich innerlich beschäftigt, eine Gestalt, die vor dir steht. Was du tagsüber verdrängst, setzt sich nachts auf dich.
Deshalb nenne ich sie Dämonen. Nicht, weil sie von irgendwoher kommen. Sondern weil sie sich so echt anfühlen, dass du ihnen glaubst.
Aber wie viele davon gehören wirklich zu dir? Und wie viele kommen von außen: aus dem Feed, aus alten Glaubenssätzen, aus den Erwartungen anderer, aus der Müdigkeit, aus den Hormonen? Als Frau kennst du das vielleicht: Es gibt Tage im Zyklus, an denen dein Kopf dir Zweifel liefert, die sich absolut echt anfühlen. Und eine Woche später fragst du dich, wie du das jemals glauben konntest.
Kennst du solche Phasen? In denen dein Kopf dir Geschichten erzählt, die sich wie die Wahrheit anfühlen und es nicht sind? Oder wenn dein „Menstruations-Monster“ die überhand hat? Das muss nicht passieren, wenn du dich erinnerst…
Ein einziges Danke
Ich hatte lange Zeit vergessen etwas Wichtiges zu tun.
Ich habe angefangen zu beten. Aus ganzem Herzen.
Und Danke zu sagen. Für meine Gesundheit. Für mein Leben, so wie es ist, nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Für die Menschen um mich herum. Für die kleinen Dinge, die ich vor lauter großen Zielen gar nicht mehr gesehen hatte.
Es hat sich nicht sofort alles verändert. Aber etwas in mir ist weicher geworden.
Die E-Mail
Kurz darauf kam eine E-Mail.
Eine Followerin hatte sich die Zeit genommen, mir zu schreiben, einfach so, einfach ehrlich… Sie erzählte mir von einem Video, das ich mal gepostet hatte, über diese vier Sätze:
„Ich kann alles.
Ich darf alles.
Alles ist einfach.
Alles kommt zum richtigen Zeitpunkt.“
Sie hat nicht lange darüber nachgedacht. Sie hat es einfach ausprobiert und gefühlt. Die Sätze stehen jetzt auf ihrem Handy-Hintergrund, an ihrer Pinnwand, in ihren Notizen. Es sind die ersten Gedanken am Morgen, die letzten am Abend und ein paar Mal zwischendurch.
Und dann schrieb sie, ihr Leben habe sich auf eine Art verändert, die sie kaum beschreiben könne. Dinge gingen ihr plötzlich leichter von der Hand. Sie habe auf einmal einen grünen Daumen. Sie bekomme Termine, die eigentlich ausgebucht sind, und Produkte, die angeblich vergriffen sind. Wo andere sagen „das wird schwierig“, klappt es bei ihr.
Ich saß da und habe geweint.
Es ging überhaut nicht um das Video, ich hab geweint weil ich in diesem Moment verstanden habe, wie das funktioniert: Wir geben etwas weiter, oft ohne zu wissen, wo es landet. Ein Video, ein Satz, ein Lächeln an der Kasse. Und genau dann, wenn wir selbst am Boden sind, kommt es zurück.
Ich habe ihr Worte geschenkt, die ich selbst gerade vergessen hatte. Und sie hat sie mir zurückgegeben.
Danke dafür. Du hast mich daran erinnert, warum ich das hier mache.
Was mich wirklich nährt
Diese E-Mail hat etwas in Bewegung gebracht. Statt aufzugeben, habe ich das Gegenteil gemacht: Ich habe noch einmal ein Gruppencoaching ausgerufen. Plan C. Ein Monat über Verkörperung, darüber, wirklich in seinem Leben anzukommen.
Und was soll ich sagen?
Den ganzen Monat über war das Essen kein Kampf mehr. Ich hatte nicht endlich die perfekte Ernährung gefunde, sondern weil das Thema Essen plötzlich seine riesige Wichtigkeit verloren hat. Ich war damit beschäftigt, für die Gruppe da zu sein. Einen Raum zu halten, in dem Menschen aufblühen und sich selbst neu entdecken. Meine Bestimmung zu leben.
Da habe ich etwas verstanden: Ich hatte die ganze Zeit nach dem richtigen Essen gesucht. Aber was mir gefehlt hat, war Nahrung. Das, was mich wirklich nährt. Und das steht auf keinem Ernährungsplan. Es ist eine Tätigkeit, die ich liebe. Menschen, mit denen ich verbunden bin. Das Gefühl, gebraucht zu werden.
Ich esse noch und ich esse gut. Aber Essen muss nicht mehr alles für mich lösen.
Und jetzt zu dir
Wenn du diese Zeilen liest und dich gerade komisch fühlst, leer, müde, wenn die Tage kürzer werden und irgendwas dich runterzieht, dann lies den nächsten Satz zweimal:
Du wirst gebraucht.
Von der Welt. Vom Leben. Von den Menschen, die dich lieben. Auch dann, wenn du es gerade nicht spürst. Gerade dann.
Du musst heute nicht alles verändern. Du musst keine neuen Ziele setzen und kein Ritual perfekt machen. Und vielleicht kannst du es auch garnicht, was wenn das alles einen Sinn hat und schon längst für dich entschieden und vorbereitet wurde? Die Kriesen, die dunklen Phasen, die Zusammenbrüche und die Misserfolge. Erinnere dich, du hast einfach nur vergessen, dass nach jedem Regen die Sonne strahlt und im besten Fall siehst du sogar für ein paar Minuten einen wunderschönen Regenbogen. Vielleicht wartet Gott gerade nur darauf, dass Du endlich Danke sagst damit er dir zeigen kann, wie schön es sein kann.
Mit Liebe,
Eli
P.S. Wenn es dir gerade wirklich schlecht geht, bist du damit nicht allein. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym für dich da: 0800 111 0 111. Und wenn du dich beim Thema Essen wiedererkannt hast: Auch dafür gibt es Beratungsstellen, die dir zuhören, ohne zu urteilen.